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Die Gründung der Narrenzunft Kollnau
Die Entwicklung der Kollnauer Fasnet von 1950 an drängte immer mehr zur Ausbildung fester Formen. Die Gründung einer Narrenzunt konnte darum auch nur noch
eine Frage der Zeit sein. Am 27. November 1957, einem Mittwoch, war es dann soweit. Im Narrennest “Raubvogel Adler”, dess Besitzer Emil Gerteis schon seit 1950 zu den
Initiatoren der Kollnauer Fasnet gehörte, fand ab 20.00 Uhr die Gründungsversammlung statt. Der bisher aus fünf Personen bestehende Narrenrat hatte in der Presse zur Teilnahme aufgerufen. Im
Laufe des Abends fanden sich 29 Besucher ein, die vom Vogt Otto Ambs begrüßt wurden. Der Vogt war der Meinung, dass auch in Kollnau die Gründung möglich sein müsse, da in vielen kleineren
Orten Narrenzünfte bestünden oder ins Leben gerufen würden. Nachdem Bürgermeister Dr. Georg Schindler seiner Überzeugung, dass ein Großteil der Einwohnerschaft die Gründung einer Narrenzunft
wünsche, Ausdruck gegeben hatte, traten die Anwesenden in eine umfassende Diskussion ein. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob man vor der Gründung einer Zunft nicht
erst eine Narrenfigur entwicklen solle, oder ob man die Zunft unverzüglich gründen wolle. Nachdem Bürgermeister Dr. Schindler die Argumente, die für die sofortige Gründung
einer Zunft sprachen, dargelegt hatte und alle 29 Anwesenden und Dr. Schindler zusätzlich für die Gemeinde ihren Beitritt schriftlich erklärt hatten, war die Zunft durch 30 Mitglieder
gegründet. Der bisherige Vogt Otto Ambs wollte die Leitung übernehmen, wenn ihm seine bisherigen Helfer Emil Gerteis, Josef Zimmermann, Rudolf Herold und Franz Schaller als
Narrenräte beigegeben würden. Nach ihrer einstimmigen Wahl wurde der Narrenrat als Leitung der Zunft durch die Hinzuwahl von Dr. Georg Schindler, Oskar Gehring, Eduard Oschwald, Heinrich
Schneider, Alfred Neidhardt und Jürgen Löffler vervollständigt. Die Verteilung der einzelnen Funktionen im Narrenrat blieb der ersten Sitzung des neugewählten Narrenrates vorbehalten.
Im Anschluss wurde zwar über Vorschläge für die Narrenfigur lebhaft debattiert, aber noch kein bindender Beschluss gefasst, dafür aber ein Preisausschreiben zu diesem Zweck
angeregt.
(Aus der Chronik zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1982)
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Der Feuerteufel
Im Mittelpunkt der Diskussion um den Kollnauer Narro, die Kollnauer Fasnachtsgestalt, standen in der Gründungsversammlung am 27. November 1957 als
Vorschläge der Köhler, der Schmelzer und der Rechenbobbele. Obwohl die Vorschläge bodenständige, örtliche Gestalten aufgriffen, konnte sich die Gründunsversammlung nicht entscheiden. Wenige
Wochen später führte ein Preisausschreiben zu einer Mitgliederversammlung im “Gambrinus”. Diese nahm den Vorschlag “Feuerteufel” von Inge Hüther (Fleiner) an. Nachdem die Entwicklung des
Narro soweit gediehen war, dass Häs und Maske gefertigt werden konnten, schneiderte Christel Faßnacht-Kohler das erste Häs, schnitzte Bildhauer Albert Schonhardt in Simonswald die erste
Maske. Am 24. Januar 1959 konnte der Feuerteufel in der Festhalle der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Seither belebt er in der Fasnachtszeit nach nur noch unwesentlichen Veränderungen in
immer größerer Zahl nicht nur das Ortsbild von Kollnau. Der Feuerteufel fußt auf bodenständigem historischem Hintergrund. Einst brannten im Kohlenbachtal zahlreiche
Kohlenmeiler, fanden im Schmelz- und Hammerwerk an der Elz Schmelzer und Hammerschmiede Arbeit und Brot. Die rußgeschwärzten Gesellen und ihr Element, das Feuer, wurden, präzisiert durch eine
vom Elztäler Heimatforscher Hermann Rambach in Waldkirch mitgeteilte Episode, zum Vorbild für den Feuerteufel (“Der Elztäler”, Beilage zur Waldkircher Volkszeitung Nr. 3 vom 13.01.1950).
Dem Feuer, dem Ruß und der Dunkelheit entsprechend sind schwarz, rot, gelb die Farben für das Feuerteufelhäs, das aus schuppenförmig gestanzten Filzstückchen, auf Leinen
aufgenäht, besteht und somit ein Flecklihäs darstellt. Schwarz sind Hose, Schuhwerk, Kopfbedeckung, Handschuhe und die Gabelzinken, der Gürtel ist lederfarben. In Rot leuchten Jacke, der
Feuerkamm an der Kopfbedeckung, die inwendig rot gefüttert ist, und der Gabelstil. Rot und gelb züngeln auch die Flammen am Kragen, der die Schultern deckt. Die Maske, die noch immer aus der
Werkstatt bon Bildhauer Albert Schonhardt in Simonswald kommt, zählt zu den sogenanten Schreckmasken, denen man auch die Hexenmasken zuzählt. Auch sie spiegelt die Flammen des Häs in ihren
Farben wider. Dieselben Farben und die gleichen Flammen sind auch beim Musiker- und Narrenratshäs zu finden. Wenn die nach Hunderten zählenden Feuerteufel mit ihrem
Narrenschritt zu den Klängen des Kollnauer Narrenmarsches durch die Straßen ziehen, geben sie ein farbenprächtiges Bild, das unablässig Fotografen zu Aufnahmen reizt. Freilich erzeugen die
Feuerteufel neben Gelächter auch verschreckte Aufschreie, wenn sie mit den Zuschauern ihren Schabernack treiben und durch die Fenster in die Wohnungen einsteigen. Kein
Zuschauer kann sich der dämonischen Wirkung entziehen, wenn die Feuerteufel im abgedunkelten Raum nach der Musik aus der Peer Gynt-Suite “In der Halle des Bergkönigs” von Eduard Grieg ihren
gespenstischen Tanz um die aus einem Meiler züngelnden Flammen aufführen. Hannelore Schätzle-Burger entwarf und inszenierte ihn meisterhaft.
(Aus der Chronik zum 25-jährigen Jubiläum)
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Die Sage
O ihr Herren Oberteufel
“In einer finsteren Nacht verirrte sich ein biederer Mann von auswärts, als er von heißen Wirtshausgeistern umschwirrt, schier kämpfend den Weg zu seiner
entfernt wohnenden Ehehälfte durch die Finsternis bahnen musste. Langsam erlahmte seine Kraft; alle Energie hatte den Bedauernswerten verlassen. Schließlich ergab er sich in sein
unabwendbares Schicksal und schlummerte - unweit des Hammerwerkes - sanft und selig am Wegrand ein.
Es ging schon in die Morgenstunden des neuen Tages, da gingen einige Hammerschmiede vorbei, die in der zweiten Nachtschicht zu arbeiten hatten;
sahen den Schlummernden und erkannten sofort den Zusammenhang der hinter ihm liegenden Wirtshaustragödie. Da sie selbst zuweilen von solchen Dämonen geplagt waren, regte sich das Mitleid in
den schwarzen Gesellen mit dem alkoholbetäubten Fremdling in der kalten Winternacht. Kurzerhand nahmen sie den Schnarchenden auf und betteten ihn in der warmen Hammerschmiede in eine
abseitige Ecke und gingen, wie gewohnt, an ihre schwere Arbeit.
Die Wärme und der Lärm im weiten, schwarzen Bau erweckten nach einiger Zeit den Schlummernden aus seinem tiefen Schlaf. Der Arme war aber noch
von allem sehr benommen. Aus seinen blinzelnden Augen ersah er lohende Feuer und lange, rußige Gestalten fuchtelten in dem grellrot erleuchteten Raume umher. Unzählige Funken stoben. Kurzum,
es war ein Höllenlärm rings um den erwachenden, der in keiner Weise auch nur einen vernünftigen Gedanken fassen konnte.
In der Höhe verlor sich der unheimliche Raum in Rauch und Dunst und Ruß. Je mehr der Betrunkene in diese stiebende, fauchende, klingende,
schlagende, rauchende und brennende Welt hineinstarrte, desto grausiger überkam ihn eine rasende Angst. Und als nun gar zwei der langen, völlig schwarzen Gestalten auf seine Lagerstatt
zuschritten, ja sogar Anstalten machten ihn an den zitternden Beinen zu nehmen, schrie er aus Leibeskräften: “O ihr Herren Oberteufel, verzeiht mir doch nur noch diesmal und lasset mich los;
denn ich bin infolge eines Rausches gestorben”.
Da brachen die Herumstehenden in ein schallendes Gelächter aus. Und der nun völlig nüchtern Gewordene erkannte, dass er vorderhand noch nicht
in der Hölle, sondern nur in der Kollnauer Hammerschmiede war.
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